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Warum stille Fahrradwege anders wirken

Warum stille Fahrradwege anders wirken

Warum ich am See nicht immer etwas hören möchte

Wenn ich mit dem Rad an den Potsdamer Seen entlangfahre, bleibt das Handy inzwischen meistens in der Tasche. Früher habe ich solche Wege gern mit Podcasts oder Musik gefüllt. Heute lasse ich die Kopfhörer öfter zu Hause. Nicht aus Disziplin, sondern weil die Strecke dann anders wirkt.

Die kleinen Geräusche der Strecke Auf dem Weg am Griebnitzsee gibt es keine spektakuläre Geräuschkulisse. Man hört Reifen auf feinem Schotter, gelegentlich ein Klingeln, das kurze Quietschen einer schlecht geölten Parkbank. An manchen Stellen dringt der Verkehr von der Straße herüber. Gerade diese Mischung macht den Weg für mich erkennbar.

Mit Kopfhörern wird daraus leicht eine austauschbare Strecke. Ich kann mich später noch daran erinnern, welchen Podcast ich gehört habe, aber nicht unbedingt, wo ich gerade war. Ohne Begleitung durch Audio speichert mein Kopf andere Einzelheiten: einen umgekippten Ast, eine neue Baustellenabsperrung, das Geräusch eines Zuges hinter den Bäumen.

Audio ist nicht neutral Podcasts und Musik sind natürlich keine bloße Ablenkung. Sie können einen langen Arbeitsweg angenehmer machen, beim Sortieren von Gedanken helfen oder eine vertraute Stimmung herstellen. Gerade nach einem vollen Tag im Büro habe ich nicht immer Lust, meine Umgebung aufmerksam wahrzunehmen.

Trotzdem verändert Audio, worauf ich achte. Ein Gespräch zieht meine Aufmerksamkeit in eine bestimmte Richtung. Bei Musik ist es oft die Stimmung, bei einem Podcast der Inhalt. Der Weg wird zur Fläche, auf der etwas anderes stattfindet. Das ist manchmal genau richtig, aber nicht immer.

Eine kleine praktische Regel Ich habe deshalb keine große Digital-Detox-Regel eingeführt. Ich entscheide nur noch am Anfang der Fahrt, ob ich wirklich etwas hören möchte. Wenn ich schon beim Aufsteigen hektisch nach einer Folge suche, fahre ich meist besser ohne. Wenn ich müde bin oder eine Strecke mehrfach an diesem Tag zurücklegen muss, nehme ich Musik.

Für längere Fahrten speichere ich mir weiterhin Alben und Folgen offline. Das ist verlässlicher, als unterwegs auf ein gutes Netz zu hoffen. Aber ich versuche, nicht jede Lücke zu bespielen. Ein Weg darf auch einfach ein Weg sein, ohne zusätzliche Information und ohne sorgfältig ausgewählte Atmosphäre.

Manchmal komme ich dann mit einem Gedanken an, der nicht aus einer Folge stammt. Oder ich merke erst am Ziel, dass die Luft kühler geworden ist. Viel mehr muss dieser kleine Verzicht eigentlich nicht leisten.

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